Bayerische Akademie der Wissenschaften

Geschichts­quellen
des deutschen Mittelalters

Aethicus Ister

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Leben – Vita

Fiktive literarische Gestalt eines heidnischen Philosophen aus Istrien. Die von Löwe 1951 erstmals vorgeschlagene Identifizierung des Verfassers der der "Chosmografia" mit dem Iren Virgil, Bischof von Salzburg († 784), hat sich in der Forschung nicht durchgesetzt. O. Prinz (MGH QQ zur Geistesgesch., 14), 1993, 14-18, schließt Istrien als Herkunftsort und 'skythische' (= Balkan-) Abstammung (eventuell 'turkstämmiger Avare') nicht aus und verbindet das Werk mit der Geschichtsschreibung des fränkischen Hofs, mit einer Abfassungzeit um die Mitte des 8. Jh. Dagegen sieht M. Herren (2004), ausgehend von der Basis merowingischen Vulgär-Lateins und der Nähe zu Sprachformen und Sprachgebrauch des irischen Virgilius Grammaticus (um 658), den Zweck der Fiktion in einer Satire auf den Lehrbetrieb der litteralen Bibelexegese des Griechen Theodor, Erzbischof von Canterbury. Herren vermutet in dem Verfasser einen Franken, der um 650 in Irland, dann nach ca. 670 in Canterbury mit dem dortigen Gelehrtenmilieu Berührung hatte und griechische Kultur durch Kontakt mit griechischen Lehrern kennenlernte.

Werke

Erwähnungen in Artikeln zu anderen Autoren

Letzte Änderung: 12.10.2020