Bayerische Akademie der Wissenschaften

Geschichts­quellen
des deutschen Mittelalters

Vaticinia de summis pontificibus

(Prophezeiungen über die Päpste)

Repertorium Fontium 11, 307

Autor
Entstehungszeit 1270-um 1305
Berichtszeit 1270-1305
Gattung Visionsliteratur
Region Italien ab 1200
Schlagwort Eschatologie; Papstgeschichte; Illustration
Sprache Lateinisch

Beschreibung

Auch unter den Titeln Papalista, Vaticinia pontificum, mit den beiden Teilen Ascende calve und Genus nequam. Die dem Abt Joachim von Fiore und einem Anselmus Marsicanus episcopus, einem Rabanus Anglicus oder auch dem legendären Zauberer Merlin zugeschriebenen Prophetien bestehen aus ursprünglich 15, später auf die Zahl 30 erweiterten gemalten Papstbildern; die Szenen umfassen auch Zeichnungen von Tieren, Fabelwesen und Menschen, hinzu kommen die kurzgefaßten Prophetien und Motti. Das seit dem 15. Jh. weitverbreitete Werk wurde mutmaßlich zur Zeit des Pisaner Konzils aus zwei Serien von Papstprophetien zusammengesetzt, die beide ursprünglich mit Papst Nikolaus III. Orsini (1277-1280) einsetzen. Die in der Reihenfolge erste, jüngere Serie, Inc.: Ascende calve, wurde vor ca. 1350 auf die Päpste verfasst, die ältere zweite Serie mit dem Titel Principium malorum, Inc.: Genus nequam, wurde aus griechischen Prophetien auf die byzantinischen Kaiser ins Lateinische übersetzt – die griechischen Texte waren ursprünglich Kaiser Leo VI. (886-912) zugeschrieben worden. Die Entstehung der "Genus nequam"-Serie wird in die Zeit zwischen 1287 und 1305 gesetzt, der Verfasser war mit den Vorgängen an der Papstkurie vertraut und schrieb gegen die Kirchenpolitik der Kardinäle aus dem Hause Orsini zunächst eine Reihe von Kardinalsprophetien (die ersten sechs Einheiten), die kurz darauf auf die Päpste übertragen wurden. Die Entstehung der "Ascende calve"-Serie ist so gut wie unerforscht, ebenso die weitere Rezeptionsgeschichte der Vaticinia. Eine kritische Edition gibt es nicht, in der einschlägigen neueren Literatur findet man Textauszüge und Facsimiles. Von der mit über 100 Textzeugen reichen handschriftlichen Überlieferung wurden nur die ältesten Handschriften, die die Entstehungsgeschichte von "Genus nequam" beleuchten, aufgenommen, ebenso die älteren von "Ascende calve" [AC].

Handschriften – Mss.

Literatur zu den Handschriften allgemein

Faksimile-Ausgaben

Alte Übersetzungen – Vet. Transl.

Deutsch

Ausgaben – Edd.

Übersetzungen – Transl.

Französisch

Italienisch

Literatur zum Werk – Comm.

Letzte Änderung: 10.09.2020