Bayerische Akademie der Wissenschaften

Geschichts­quellen
des deutschen Mittelalters

Decretum (Gratiani)

(Dekret (des Gratian))

Repertorium Fontium 5, 205

Autor Gratianus magister
Entstehungszeit 1100-1158
Berichtszeit 1100-1158
Gattung Kirchenrecht
Region Italien bis 1200
Schlagwort Kanonisches Recht
Sprache Lateinisch

Beschreibung

Oder eigentlich Concordia discordantium canonum; der in der Forschung eingeführte Titel ist Decretum Gratiani. Die Zuschreibung des Werks an einen Autor namens 'Gratianus' erfolgt erst in den Hss. der zweiten Fassung, während die nicht-interpolierten Hss. der ersten Fassung ohne Autornamen laufen. Die rezipierte Sammlung besteht aus ca. 3800 Exzerpten zum Kirchenrecht aus verschiedenen Quellen, besonders aus Konzilien, päpstlichen Dekretalen und patristischen Texten, übernommen aus Rechtssammlungen des ausgehenden 11. und beginnenden 12. Jh. Die Kanones sind so ausgewählt und vom Verfasser verbunden, dass die sich widersprechenden miteinander in Einklang gebracht werden; die Kommentierung des Autors erfolgt in den 'Dicta'. Das Werk besteht aus drei Teilen: I) 101 'Distinctiones' über die Quellen des Kirchenrechts, die kirchliche Hierarchie und die Disziplin des Klerus; II) 36 'Causae' (fiktive Fallstudien), jeweils in 'Quaestiones' unterteilt; III) De consecratione in fünf Distinctiones über die Sakramente.

Entstehung: Die zeitliche Einordnung des 'Decretum' ist mit den Forschungen von A. Winroth (1997, 2000) zur Entstehung in neue Bahnen gekommen: Eine erste Fassung der Kirchenrechtssammlung (a) ist vermutlich vor dem 2. Laterankonzil von 1139 entstanden, dessen Beschlüsse als Nachträge vorkommen, und enthält das gesamte Werk in seiner Rechtssubstanz; die Handschrift St. Gallen, Stiftsbibliothek, 673 (Sg) repräsentiert möglicherweise eine Vorstufe dazu. Diese erste Fassung ist bislang unediert. Die zweite, rezipierte Fassung (b) ist vor 1155/58, der Abfassung des Sentenzenwerks des Petrus Lombardus, entstanden. Sie stammt möglicherweise von einem anderen Verfasser und unterscheidet sich von (a) durch die Ersetzung von Rechtsdefinitionen durch römischrechtlich geprägte Termini, durch Hinzufügung der Sakramentenlehre (De penitentia und De consecratione = Teil III) und von zusätzlichen Kanones aus weiteren Rechtssammlungen. Bis ca. 1170 wurde weiteres Material unter dem Begriff 'Paleae' (= Spreu, möglicherweise benannt nach dem ersten Kommentator der zweiten Fassung Paucapalea) eingefügt. Die ersten Kommentare entstanden zwischen 1146 und 1155.

Gliederung der Rubrik Comm. (Literatur zum Werk):

1. Allgemeines

2. Fassungen

3. Vorlagen

Hier sind ausschließlich quellenkundliche Untersuchungen aufgeführt, Beiträge zu Inhalt und Nachwirkung des Dekrets sind nicht aufgenommen.

Handschriften – Mss.

Literatur zu den Handschriften allgemein

Alte Übersetzungen – Vet. Transl.

Französisch

Ausgaben – Edd.

Übersetzungen – Transl.

Deutsch

Englisch

Französisch

Literatur zum Werk – Comm.

1. Allgemeines

2. Fassungen

3. Vorlagen

Comm. gen. zum Autor

Erwähnungen in Autorartikeln

Erwähnungen in Werkartikeln

Letzte Änderung: 13.10.2020