Bayerische Akademie der Wissenschaften

Geschichts­quellen
des deutschen Mittelalters

Petrus diaconus Casinensis

(Petrus Diaconus von Montecassino)

GND 119305879 – Dt. Biographie DNB

Leben – Vita

Petrus stammte aus dem vornehmen Geschlecht der Grafen von Tusculum (Frascati, Lazio) und wurde wohl 1107 in Rom geboren. Er wurde Mönch in Montecassino (O.S.B., Lazio) und erhielt seine Ausbildung durch Guido Casinensis. Als Anhänger des Abtes Oderisius II. musste er 1128 unter Abt Seniorectus das Kloster verlassen. Er begab sich zu Adenulphus von Aquin, Graf von Atina. Nach Montecassino zurückgerufen, wurde er 1130 Bibliothekar und Archivar. 1137 begleitete er Abt Rainald, einen Anhänger Papst Anaklets II. (1130-1138), zu Kaiser Lothar III. (1125-1137), vor dem er für sein Kloster sprach. Der Kaiser machte ihn zu seinem Kaplan und Sekretär. Nach seinem Tod richtete Petrus Trostschreiben an die Kaiserin Richenza, siehe J. P. Migne, Patrologiae cursus completus. Series Latina, 173, Parisiis 1841-1864 (http://gallica.bnf.fr) col. 1138-1141. † wohl 1159.

Über sein Leben und seine Werke verfasste Petrus selbst drei Berichte, von denen sich der erste am Ende des Liber illustrium virorum archisterii Casinensis in der Handschrift Montecassino, Biblioteca statale del Monumento nazionale di Montecassino, Cod. 361, p. 143 findet, der zweite in Montecassino, Biblioteca statale del Monumento nazionale di Montecassino, Cod. 257, p. 30-31, der dritte in der Chronica monasterii Casinensis in Montecassino, Biblioteca statale del Monumento nazionale di Montecassino, Cod. 450, p. 423-425.

Sein Interesse galt der Antike, daher ließ er in Montecassino zahlreiche Werke abschreiben. In der Handschrift Montecassino, Biblioteca statale del Monumento nazionale di Montecassino, Cod. 361 fertigte er Abschriften von Frontinus, De acqueductibus urbis Romae, Vegetius, De re militari und ein Fragment von Varro, De lingua Latina. Er schrieb auch Kurzfassungen zu einigen Werken, siehe dazu M. Dell'Omo, Da Paolo Diacono a Pietro Diacono (1996). Zur antiken Geschichte Roms verfasste er Teile der Graphia aureae urbis Romae. Zum Ruhm seines Klosters verfasste er mehrere hagiographische Werke, die inhaltlich weitgehend von ihm erfunden sind, einschließlich der zugehörigen Urkunden. Dazu gehören die wohl 1137 unter dem Namen Gordianus verfassten Acta S. Placidi, eine Lebensbeschreibung des hl. Placidus, des Schülers des hl. Benedikt. Von ihm stammt auch die Historia eversionis et restaurationis coenobii beati Mauri, in der er die Translatio s. Mauri des Odo von Glanfeuil interpoliert hat, um eine Abhängigkeit des Klosters St-Maur-de-Glanfeuil (O.S.B., Maine-et-Loire, dioec. Angers) von Montecassino zu begründen, siehe dazu H. Bloch (1988). Außerdem schuf Petrus historische und hagiographische Werke über die Stadt Atina (Lazio), dazu H. Bloch (1998).

Werke

Allgemeine Literatur – Comm. gen.

Erwähnungen in Werkartikeln

Letzte Änderung: 21.09.2020