Bayerische Akademie der Wissenschaften

Geschichts­quellen
des deutschen Mittelalters

Translationis et inventionis S. Dionysii Ratisponensis historia posterior

(Bericht von der Übertragung und Auffindung des hl. Dionysius, Jüngerer Regensburger)

Repertorium Fontium –, –

Autor sanctus Dionysius Areopagita
Entstehungszeit 1049-1110
Berichtszeit 888-899; 1049
Gattung Hagiographie
Region Bayern bis 1200
Schlagwort Heiligenverehrung; Reliquien; Fälschung/Fiktion
Sprache Lateinisch

Beschreibung

(BHL 2195). Lemma-Titel in Anlehung an den Editionstitel der älteren Translatio, das Werk insgesamt ist ohne Titel, die Titel der einzelnen Bestandteile entsprechend der Überlieferung sind unten vermerkt. Neufassung der fiktiven Translationis et inventionis S. Dionysii Ratisponensis historia antiquior, der Übertragung des hl. Dionysius Areopagita, gegenüber der Vorlage auf das Zehnfache erweitert. Die jüngere Translatio ist vor allem als Erzählkunstwerk beachtenswert und führt die in der Vorlage fehlenden Motivierungen aus. Verfasst wurde sie mutmaßlich zwischen 1078 und 1088/98 (Kraus) in Regensburg, St. Emmeram oder bald nach der Mitte des 11. Jh. (Lukas). Sie besteht aus mehreren in Stil und Inhalt differenzierten Teilen: 1. der umfangreiche Widmungsbrief an Reginward, Abt von St. Emmeram, die Epistola cuiusdam presbiteri ad Reginwardum abbatem. Er führt ein in die fiktive, ins 9. Jh. verlegte Reliquienübertagung mit Rahmenerzählungen und Berichten, ausgehend von dem vorgeblichen Bemühen der Franzosen, die Reliquien zurückzugewinnen. Der Brief enthält zugleich eine einzigartige Beschreibung der Stadt Regensburg. 2. Sermo pro defensione sancti Dionisii Ariopagite auf die Eigenschaften des hl. Dionysius, zugleich Festtagslesung, in dem die Historizität des Heiligen im Anschluss an Abt Hilduin von St-Denis mit betonter Quellenkritik festgestellt wird. 3. der eigentliche Translationsbericht, der Liber translationis Dionisii Ariopagite, die Geschichte des vorgeblichen Reliquiendiebstahls. 4. Bericht über die Reliquienerhebung, die Revelatio Dionisii. Er ist über den Anfang nicht hinausgekommen und blieb mitten im Satz stecken. Die jüngere Translatio hat sich im Original erhalten, von dem alle anderen Textzeugen über ein Zwischenglied abhängig sind. Auf die fiktive Translatio stützt sich eine Emmeramer Urkundenfälschung auf Papst Leo IX. (JL †4280), der 1052 in St. Emmeram die neue Krypta mit der Grablege des hl. Bischofs Wolfgang von Regensburg weihte. Sie ist gleichfalls ediert von V. Lukas (MGH SS rer. Germ., 80), 2013, 477-486 nach Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 534.3 Novi, f. 59r-60v. Inc.: Venerabili abbati Reginwardo et sanctorum martirum Emmerammi (Epistola), Sanctorum martyrum praeconia (Sermo), Diu opus promissum, non quidem ullo livoris aut levitatis retinaculo intermissum (Translatio), Igitur temporibus Heinrici Gallorum regis quidam fuit custos ecclesiae Parisiensis (Revelatio).

Handschriften – Mss.

Literatur zu den Handschriften allgemein

Ausgaben – Edd.

Übersetzungen – Transl.

Deutsch

Literatur zum Werk – Comm.

Comm. gen. zum Autor

Letzte Änderung: 21.10.2020